Am 2. und 23. Juni finden in Lübeck die nächsten Stolperstein-Verlegungen statt.
Evelyn Ocklitz und Elisabeth Eßer von der Initiative Stolpersteine für Lübeck haben das Schicksal von Lübecker Opfern des sog. Euthanasieprogramms der Nationalsozialisten recherchiert, mit dem seit 1939 die systematische Ermordung psychiatrischer PatientInnen in Gaskammern organisiert wurde.
Die Heilanstalt Strecknitz auf dem Gelände des heutigen Lübecker Universitätsklinikums Schleswig-Holstein hatte 1912 die sog. Irrenanstalt abgelöst und wurde in den zwanziger Jahren unter dem Leiter Dr. Enge nach damalig modernen, menschenwürdigen Prinzipien geführt.
Am 23. September 1941 wurden im Rahmen einer groß angelegten Aktion mehr als 600 Patienten in andere Einrichtungen, vor allem in Hessen, verlegt. Dies geschah offiziell aus ‚Reichsverteidigungsgründen‘, um Platz zu schaffen für Lazarette und andere kriegswichtige Einrichtungen. Dort, wo die PatientInnen keine familiäre Anbindung mehr hatten, sollten sie dann getötet werden. Die zunehmend verbreitete Kenntnis dieses Tötungsprogramms hatte Widerstand in den Kirchen und vermehrt Empörung in der deutschen Bevölkerung hervorgerufen, ausgelöst vor allem durch die öffentliche Predigt des Münsteraner Bischofs von Galen am 3.8.1941. Daraufhin wurde das Euthanasieprogramm offiziell für beendet erklärt. Dennoch gingen die Tötungen weiter, dezentral, verdeckt, mit unterschiedlichen Methoden.
Peter Delius (Delius 1988) sowie Horst Dilling und Kathrin Schepermann (Schepermann/Dilling 2005) haben das Schicksal der Strecknitzer PatientInnen erforscht. Es handelte sich überwiegend um psychisch Erkrankte aus dem Hamburger Raum, für die Ende der 1920er Jahre in Strecknitz die sog. Hamburger Häuser errichtet worden waren.
Das Interesse der Stolperstein-Initiative gilt nun denjenigen PatientInnen, die in Lübeck ihren ursprünglichen Wohnsitz hatten. Aus Patientenakten der Heilanstalt Eichberg in Hessen, die dem Universitätsklinikum Lübeck in Kopie vorliegen (heute im Archiv des ZKFL), haben wir zehn Personen ermittelt, die vor ihrer Einweisung in Lübeck gewohnt haben. Auch in der Heilanstalt Weilmüster, ebenfalls in Hessen, sind nachweislich PatientInnen aus Lübeck umgekommen, Allerdings wurden die Akten der Euthanasieopfer dort in den achtziger Jahren vernichtet. Nur die Namen und wenige Daten sind von ihnen erhalten.
Wir erinnern
am Dienstag, 2. Juni 2026
um 16 Uhr in der Glockengießer Straße 25
an Anna Wecker, geb. 18.6.1872 in Lübeck, gest. 23.9.1941 Güterbahnhof Lübeck
um 17.30 in der Hundestraße 62
an Minna Hennings, geb. Braun, geb. 5.8.1906 in Reecke-Niendorf, gest. 26.12.1945 in Eichberg
am Dienstag, 23. Juni 2026
um 16 Uhr in der Lützowstraße 30
an Hedwig Ehlers, geb. Warncke, geb. 16.4.1897 in Groß Stieten/Mecklenburg, gest. 29.7.1942 in Eichberg
um 17.30 Uhr in der Schönkampstraße 13
an Frieda Wigger, geb. Wilcken, geb. 10.11.1884 in Wismar, gest.18.10.1941 in Eichberg
Es ist uns nicht möglich gewesen, Nachfahren der Betroffenen zu ermitteln. Wir freuen uns über jeden Hinweis!
