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Zeit des Erinnerns – für die Zukunft

In 2022 jähren sich zum 30. Mal die politisch motivierten Ausschreitungen auf die „Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber“ und das „Sonnenblumenhaus“ für ehemalige vietnamesische Vertragsarbeitende in Rostock-Lichtenhagen sowie der rassistische Brandanschlag von Mölln, der drei Frauen das Leben kostete. Seit Jahrzehnten erschüttern unser Land immer wieder antise- mitische, menschenverachtende und rassistische Gewalttaten.

Auch in unserer Stadt brach sich in den „Baseballschlägerjahren“ (Christian Bangel) der blanke Hass mehrmals Bahn: Wir erinnern uns an die Brandanschläge auf die Lübecker Synagoge 1994/95 und den Angriff auf die Geflüchtetenunterkunft 1996 in der Hafenstraße, bei dem zehn schutzsuchende Menschen sterben mussten und viele weitere zum Teil schwer verletzt wurden. Die Gewalt der 1990er wirkt jedoch bis heute nach: die Mordserie des NSU, die Anschläge von Halle und Hanau sowie der Mord an Dr. Walter Lübcke sind traurige Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit, die in die unruhige Gegenwart hineinwirken und eine ernstzunehmende Gefahr für die Demokratie und ein weltoffenes Miteinander sind.

Unsere Gesellschaft ist mitnichten gefeit gegen Rassismus und Rechtsextremismus. Es ist und bleibt daher unsere Verpflichtung – nicht nur an Jahrestagen–, immerwährend an die NS-Verbrechen und die Tiefpunkte in der Geschichte unseres geteilten und wiedervereinigten Landes zu erinnern, die richtigen Lehren daraus zu ziehen sowie mit Haltung und Zivilcourage zu verhindern, dass Menschen Opfer von Hass, Hetze und Gewalt werden.

Ein wichtiger Meilenstein für die Hansestadt stellt das kürzlich vorgestellte Grundlagenkonzept für eine zeitgemäße Neuausrichtung und dauerhafte Stärkung der Erinnerungskultur in Lübeck dar, das vom Forum Erinnerungskultur initiiert und vom Zentrum für Kulturwissenschaftliche Forschung Lübeck sowie von der Hansestadt Lübeck beauftragt wurde. Fachliche und finanzielle Unterstützung erfährt diese Initiative von der Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten und dem Netzwerk Erinnerungskultur in der Nordkirche.

Monika Frank

Senatorin für Kultur, Bildung, Jugend und Sport der Hansestadt Lübeck

Das Programm "Zeit des Erinnerns – für die Zukunft" als PDF zum Download

Wir begrüßen Sie herzlich im Namen der Initiative für Stolpersteine in Lübeck.

"Hier wohnte ...",  so beginnt der Künstler Gunter Demnig die Prägung in der Messingplatte jedes Stolpersteines. Es folgt der Name des Menschen, der hier wohnte, sein Geburtsjahr, das Jahr seiner Deportation oder Verhaftung, das Datum seiner Ermordung. Mit jedem Stolperstein wird der Name eines Bürgers, einer Bürgerin sichtbar vor der letzten selbstgewählten Wohnung, zieht zurück in die Nachbarschaft, zurück in diese Stadt, aus der der Mensch gerissen wurde, und bleibt in Erinnerung.

Seit 1993 gibt es das Projekt STOLPERSTEINE, das die Erinnerung an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft lebendig hält, die Erinnerung an jüdische Menschen, die vertrieben und ermordet wurden, an Sinti und Roma, an politisch Verfolgte, Homosexuelle, Zeugen Jehovas sowie an Euthanasieopfer. In vielen Städten in Deutschland und auch anderen europäischen Ländern wird Gunter Demnig von Initiativen wie hier in Lübeck unterstützt.

"Um die Namen der Opfer zu lesen, müssen wir uns vor ihnen verneigen", so Gunter Demnig.