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Zeit des Erinnerns - für die Zukunft (2021)

"Erinnern ist Arbeiten an der Zukunft"
Aleida Assmann

Nach umfassender Sanierung erstrahlt die Carlebach-Synagoge heute in neuem Glanz. Doch die Spuren der Zerstörung des Novemberpogroms 1938 bleiben sichtbar und zeugen vom antisemitischen Terror des NS-Regimes. Mit der Wieder­eröffnung ist auch eine neue Ausstellung vor Ort zu sehen, die die Geschichte der Synagoge und des jüdischen religiösen Lebens in Lübeck erzählt.

2021 jährt sich zum 80. Mal der Tag der Depor­tation und Ermordung der Lübecker Jüdinnen und Juden sowie der Patient:innen der „Heilanstalt Strecknitz“. Anlässlich dieses Ereignisses wurde kürzlich auf dem Gelände des Universitätsklinikums eine Stolperschwelle verlegt und damit ein neuer Gedenkort in Lübeck geschaffen.

Eine wichtige Stimme gegen Menschenfeindlichkeit ist in diesem Jahr verstorben: Esther Bejarano, eine der letzten Überlebenden der Shoah. Dieser Verlust vergegenwärtigt, dass die Zeitzeug:innen verstummen, und auch der Holocaust rückt zeitlich in immer weitere Ferne. Damit verbunden ist die Frage, wie das öffentliche Erinnern weiterhin lebendig gehalten werden kann. Für die Hansestadt Lübeck wird derzeit in Kooperation mit dem Zentrum für Kulturwissenschaftliche Forschung ein Konzept erarbeitet, das neue Perspektiven für die hiesige Erinnerungsarbeit auslotet.

Das vorliegende Heft stellt das facettenreiche Gedenk- und Erinnerungsprogramm im November und Dezember vor. So unterschiedlich die Veranstaltungen sind, sie eint die Anliegen, Demokratie und Vielfalt zu stärken, rassistischen und antisemitischen Ressentiments mit Engagement zu begegnen und durch stetiges Erinnern und Mahnen das Geschehene niemals zu vergessen.

Monika Frank
Senatorin für Kultur, Bildung, Jugend und Sport der Hansestadt Lübeck

Christian Rathmer
Koordinator „Zeit des Erinnerns“

Flyer "Zeit des Erinnerns 2021" als PDF zum herunterladen

Wir begrüßen Sie herzlich im Namen der Initiative für Stolpersteine in Lübeck.

"Hier wohnte ...",  so beginnt der Künstler Gunter Demnig die Prägung in der Messingplatte jedes Stolpersteines. Es folgt der Name des Menschen, der hier wohnte, sein Geburtsjahr, das Jahr seiner Deportation oder Verhaftung, das Datum seiner Ermordung. Mit jedem Stolperstein wird der Name eines Bürgers, einer Bürgerin sichtbar vor der letzten selbstgewählten Wohnung, zieht zurück in die Nachbarschaft, zurück in diese Stadt, aus der der Mensch gerissen wurde, und bleibt in Erinnerung.

Seit 1993 gibt es das Projekt STOLPERSTEINE, das die Erinnerung an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft lebendig hält, die Erinnerung an jüdische Menschen, die vertrieben und ermordet wurden, an Sinti und Roma, an politisch Verfolgte, Homosexuelle, Zeugen Jehovas sowie an Euthanasieopfer. In vielen Städten in Deutschland und auch anderen europäischen Ländern wird Gunter Demnig von Initiativen wie hier in Lübeck unterstützt.

"Um die Namen der Opfer zu lesen, müssen wir uns vor ihnen verneigen", so Gunter Demnig.